Therapien

Wie kann Betroffenen von Immundefekten geholfen werden?

Eine gute Therapie ist wichtig für ein besseres Wohlbefinden und ermöglicht oft ein weitgehend normales Leben.

Immunglobulin

Eine häufige Therapie bei vielen primären Immundefizienzen ist die Gabe von Immunglobulinen (Antikörpern) um den Mangel  an eigenen Antikörpern auszugleichen. Dabei werden die fehlenden Immunglobuline durch eine Infusion zugeführt, welche das Ziel hat, die Betroffenen vor Infektionskrankheiten (Mittelohrentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung, etc.) zu schützen.

Immunglobuline werden aus dem Blut von 10'000 bis 60'000 gesunden Blutspendern gewonnen und aufgereinigt. Die in der Schweiz erhältlichen Immunglobulinpräparate genügen den höchsten Anforderungen in Bezug auf Schutz vor Übertragung von Krankheitserregern. Dies wird durch strenge Auswahl der Blutspender und durch rigorose Inaktivierung von allfällig vorhandenen Krankheitserregern erreicht. Seit 1994 ist in Europa und Amerika keine Übertragung von Krankheitserregern irgendwelcher Art durch Immunglobuline beobachtet worden.

Allerdings gilt anzufügen, dass ein minimales Restrisiko (z.B. heute unbekannte Krankheitserreger) in Immunglobulinpräparaten – wie auch in anderen Blutprodukten – nie vollständig ausgeschlossen werden kann.

Die Immunglobulin-Ersatztherapie

Heutzutage werden Immunglobuline auf zwei verschiedenen Wegen dem Körper zugeführt:

Bei der intravenösen Immunglobulinbehandlung (IVIG) wird die Immunglobulin-Lösung über eine Armvene über mehrere Stunden in einem spezialisierten, medizinischen Zentrum zugeführt. Die Behandlung wird alle drei bis fünf Wochen wiederholt. Dabei wird die verwendete Dosis dem Zustand des Betroffenen angepasst, wobei auch der Immunglobulinmesswert vor der Gabe berücksichtig wird.

Die subkutane Immunglobulinbehandlung (SCIG) ist eine Behandlungsart, welche der Betroffene nach einer intensiven Schulung selbstständig zuhause oder am Arbeitsort durchführen kann. Dabei wird die Immunglobulin-Lösung mittels einer Pumpe ins Fettgewebe unter der Haut geleitet. Dank der subkutanen Infusionsbehandlung sind die Betroffenen zeitlich und örtlich unabhängiger. Diese Therapieart wird in der Regel in wöchentlichen Abständen durchgeführt.

Ziel der Immunglobulin-Ersatztherapie

Bei Antikörpermangel sind vor allem die oberen und unteren Atemwege von Infektionskrankheiten betroffen. Das heisst, man versucht Infekte des Nasen-Rachenraumes, der Nasennebenhöhlen, des Mittelohrs, der Bronchien und der Lunge zu verhindern oder ihre Häufigkeit sowie ihre Schwere zu verringern. Dennoch können Betroffene trotz optimaler Behandlung mit Immunglobulin nicht vollständig vor Infektionen geschützt werden. Bei bakteriellen Infekten ist deshalb die zusätzliche Behandlung mit Antibiotika notwendig.

Impfungen?

Auch wenn die Wirksamkeit einer Impfung und der damit erreichte Schutz bei Patienten mit einem Immundefekt nicht genau vorhersehbar sind, sollte jeder Patient mit einer Immunschwäche die empfohlenen Impfungen erhalten. Darunter fallen Impfungen gegen die saisonale Grippe (Influenza) und Hepatitis B (Gelbsucht) wie auch gegen Pneumokokken (Atemwegsinfektionen). Die Impfungen können den Schutz vor den gefährlichen Infektionskrankheiten erhöhen. Hingegen sind Impfungen mit Lebendimpfstoffen bei Immunschwäche untersagt.

Stammzelltherapie und Immunmodulation

Schwere, oder nicht auf die übliche Therapie ansprechende, primäre Immundefizienzen verlangen andere Therapieansätze, darunter die Entfernung der Milz (Splenektomie), eine Stammzelltransplantation, eine Gentherapie oder die Behandlung durch bestimmte Medikamente.